Bewusstseinswerkstatt

 

Die Bewusstseinswerkstatt ist ein Raum für Vertiefung, Anwendung und eigenes Erproben.

Hier geht es darum, Gedanken und Konzepte nicht nur zu lesen, sondern sie in den eigenen Alltag zu holen.

Die Bewusstseinswerkstatt bietet strukturierte Hilfestellungen, Fragen, Übungen und Impulse, die dabei unterstützen, Klarheit zu gewinnen und bewusste Entscheidungen zu treffen.

Im Mittelpunkt steht nicht ein fertiges Ergebnis, sondern der persönliche Umgang mit dem, was gerade wichtig ist.

Die Inhalte sind so aufgebaut, dass sie Orientierung geben, ohne zu überfordern, und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die sich an die jeweilige Lebenssituation anpassen lassen.

Die Bewusstseinswerkstatt richtet sich an Menschen, die sich aktiv mit ihren Themen auseinandersetzen möchten und dafür einen klaren, ruhigen Rahmen suchen.

Sie ergänzt das Journal und das Buch zum Mitlesen und schafft einen Ort, an dem Erkenntnisse vertieft und praktisch umgesetzt werden können.

Diese Werkstatt Seite begleitet das Kapitel „Wahrnehmen“ und lädt dazu ein, Inhalte ins eigene Erleben zu holen

Werkstatt Wahrnehmen Pdf
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Background Check – Wie geht es mir wirklich?

Im Alltag laufen viele Dinge gleichzeitig. Termine, Gespräche, Gedanken, Verpflichtungen. Wir reagieren, erledigen, funktionieren – oft ganz automatisch. Dabei passiert vieles im Hintergrund: Stimmungen, kleine Körperempfindungen, Gedankenfetzen, leise Bedürfnisse. Nicht laut genug, um unsere Aufmerksamkeit einzufordern, aber deutlich genug, um unser Erleben zu färben. Solange wir im Autopiloten sind, bemerken wir das oft nicht.

Ein Background Check ist eine kurze bewusste Unterbrechung dieses Autopiloten. Kein großes Innehalten. Keine Analyse. Kein sofortiges Lösen. Sondern ein ehrlicher innerer Check-in: Wie geht es mir – wirklich?

Was ein Background Check ist

Ein Background Check ist ein Moment des Wahrnehmens. Du schaust kurz nach innen und registrierst, was gerade da ist – körperlich, emotional, gedanklich oder situativ. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ohne etwas verändern zu müssen. Manchmal dauert das nur ein paar Sekunden, manchmal ein oder zwei Minuten.

Was ein Background Check nicht ist

Ein Background Check ist keine Analyse, keine Selbstoptimierung, kein Grübeln und kein Problemlösen. Du musst nichts richtig machen, nichts erklären und nichts einordnen. Bewertungen entstehen automatisch – der bewusste Moment liegt nicht darin, sie zu vermeiden, sondern darin, zu bemerken, dass bewertet wird.

Mögliche Antworten

Viele Menschen geben auf diese Frage ähnliche Antworten: Mir geht es gut. Geht so. Mir geht es nicht gut. Keine dieser Antworten ist besser oder schlechter als die andere. Sie zeigen nur, wo du gerade stehst.

Raum lassen statt sofort handeln

Ein wichtiger Teil des Background Checks ist, das Wahrgenommene für einen Moment so stehen zu lassen, auch wenn es sich unangenehm anfühlt. Nicht jede innere Bewegung braucht sofort eine Veränderung. Manches darf einfach da sein.

Auch das Gute wahrnehmen

Ein Background Check dient nicht nur dazu, Unangenehmes zu erkennen. Oft macht er auch das sichtbar, was im Alltag leicht übersehen wird: Momente von Ruhe, Stimmigkeit oder etwas, das gerade gut tut.

Ein Werkzeug für den Alltag

Ein Background Check ist kein großes inneres Projekt. Er ist ein kleines, alltagstaugliches Werkzeug. Du kannst ihn jederzeit machen. Manchmal führt er weiter, manchmal bleibt er einfach stehen. Beides ist in Ordnung.

Wenn Rollen entstehen – und wieder gehen dürfen

Viele Rollen, die wir im Leben spielen, entstehen sehr früh. Oft in unseren ersten Beziehungen – dort, wo wir lernen, wie Nähe funktioniert, wie Anerkennung entsteht und was von uns erwartet wird.

Gerade Eltern-Kind-Beziehungen prägen uns tief. Nicht, weil sie „gut“ oder „schlecht“ sind, sondern weil wir als Kinder abhängig sind. Wir passen uns an. Wir beobachten genau. Wir spüren, was erwünscht ist – und was besser nicht gezeigt wird.

So entstehen Rollen: das brave Kind, das angepasste Kind, das starke Kind, das vernünftige Kind.

Rollen, die einmal sinnvoll waren. Rollen, die geholfen haben, dazuzugehören. Rollen, die Sicherheit versprochen haben.

Das Problem beginnt nicht mit der Rolle selbst, sondern damit, dass wir sie nicht als Rolle erkennen. Wir halten sie für unser Wesen. Für das, was wir sind.

Viele Menschen spielen ihre Rollen jahrelang weiter. Nicht aus Dummheit. Nicht aus Schwäche. Sondern weil sie nie gelernt haben, einen inneren Abstand dazu einzunehmen.

Manchmal endet eine Rolle erst dann, wenn sie nicht mehr geht. Wenn Körper oder Seele die Notbremse ziehen. Wenn Erschöpfung, Krankheit oder innere Leere zeigen: So kann es nicht weitergehen.

Und manchmal – leiser, unspektakulärer – endet eine Rolle in dem Moment, in dem man sie zum ersten Mal bewusst wahrnimmt.

In diesem Moment geschieht etwas Entscheidendes: Was ich wahrnehme, bin ich nicht mehr vollständig. Ich stehe ein kleines Stück daneben. Und genau dort entsteht Freiheit.

Auch ich habe lange eine solche Rolle gelebt – die Rolle der „guten Tochter“. Immer bemüht, alles richtig zu machen, immer in der Hoffnung, endlich zu genügen.

Der Wendepunkt kam nicht durch mehr Anstrengung. Sondern durch eine Erkenntnis:

Es lag nie an mir, dass ich diese Rollen nicht perfekt erfüllen konnte. Manche Rollen sind so angelegt, dass niemand sie wirklich erfüllen kann.

Bewusst wahrnehmen bedeutet hier nicht, etwas zu verändern. Nicht zu kündigen, nicht zu kämpfen, nicht sofort loszulassen. Sondern ehrlich hinzusehen:

Welche Rolle lebe ich gerade? Für wen tue ich das? Und was kostet sie mich?

Wenn eine Rolle wegfällt, entsteht oft zuerst kein neues „Ich“. Keine fertige Antwort. Nur Raum.

Und vielleicht ist genau dieser Raum der Anfang von etwas Wesentlichem: dem Kontakt zu sich selbst.

Viele unserer Rollen beginnen sehr früh. Und viele enden erst, wenn wir beginnen, uns selbst wahrzunehmen.

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Ein neues Jahr. Ein neuer Anfang.

Ein neues Jahr beginnt nicht immer mit Klarheit. Manchmal beginnt es einfach – still, unspektakulär, mit alten Gedanken im Gepäck.

Vielleicht gibt es keinen großen Plan. Keine Vorsätze, keine Liste, kein „So soll es werden“. Vielleicht gibt es nur ein Gefühl. Oder eine Ahnung. Oder auch gar nichts davon.

Ein neuer Anfang muss nicht bedeuten, alles anders zu machen. Manchmal bedeutet er, genauer hinzuschauen. Zu prüfen, was bleiben darf. Und was nicht mehr mitgehen soll.

Wie möchtest du dieses Jahr gestalten? Nicht im Sinne von Leistung oder Optimierung. Sondern im Sinne von Stimmigkeit.

Was soll mehr Raum bekommen? Was weniger? Und wo darfst du dir selbst ein wenig näher kommen?

Die Bewusstseinswerkstatt lädt nicht dazu ein, ein neues Ich zu entwerfen. Sondern diesem einen, realen Ich zuzuhören – mit dem du dieses Jahr beginnst.

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Bewusst Ziele setzen

Zu Beginn eines neuen Jahres tauchen sie fast automatisch auf: Ziele. Pläne. Vorsätze. Manchmal leise, manchmal sehr bestimmt.

Und oft fühlen sie sich weniger wie eine Einladung an als wie eine Aufgabe.

Bewusst Ziele zu setzen heißt nicht, sich selbst neu zu erfinden. Es heißt auch nicht, mehr zu leisten oder sich zu verbessern. Bewusst Ziele zu setzen beginnt viel früher – bei der ehrlichen Frage, was in mir gerade überhaupt lebendig ist.

Viele Ziele entstehen nicht aus einem inneren Wunsch, sondern aus Erwartungen. Aus Vergleichen. Aus dem Gefühl, etwas müsste sich jetzt ändern, nur weil ein neues Jahr begonnen hat.

Manchmal merken wir das erst später. Wenn ein Ziel Druck macht. Wenn es Energie kostet, noch bevor wir angefangen haben. Oder wenn wir spüren, dass wir uns dafür verbiegen müssten.

Bewusst hinzusehen bedeutet, innezuhalten und zu prüfen: Will ich das wirklich – oder glaube ich nur, dass ich es wollen sollte?

Manche Ziele haben ihren Ursprung in Angst. Andere in alten Rollen. Wieder andere in einem Bild davon, wie ein gutes Leben auszusehen hat. Nicht jedes Ziel, das logisch klingt, ist auch stimmig.

Bewusst Ziele setzen heißt auch, die eigene Realität ernst zu nehmen. Das eigene Leben. Die eigene Energie. Die eigenen Grenzen.

Nicht alles ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Und nicht alles, was möglich wäre, ist auch dran.

Manchmal ist ein bewusstes Ziel kein mehr, sondern ein weniger. Weniger müssen. Weniger festhalten. Weniger beweisen.

Und manchmal ist ein Ziel noch gar kein Ziel, sondern nur eine Richtung. Eine leise Ahnung. Ein inneres Ziehen, das noch keine Form braucht.

Bewusst zu leben heißt, sich selbst dabei nicht zu verlieren. Auch nicht im Ziel.

Ein gutes Ziel fühlt sich nicht eng an. Es trägt. Es lässt Luft. Und es darf sich verändern, wenn sich das Leben verändert.

Vielleicht ist das Wichtigste zum Jahresbeginn nicht die Frage: Was will ich erreichen? Sondern: Was möchte ich mir selbst gegenüber ernst nehmen?

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Ziele setzen – leicht gemacht (mit NUAA)
Eine ausführliche Einführung in bewusstes, tragfähiges Gestalten


Das ist kein kompakter Ratgeber,
sondern ein Denkraum.

Ein Raum für Menschen, die Ziele haben,
aber nicht länger bereit sind,
sich dafür selbst zu überfordern.

Ziele setzen – leicht gemacht bedeutet hier nicht,
schneller, effizienter oder disziplinierter zu werden.

Es bedeutet,
sich selbst ernst zu nehmen,
die eigene Realität mitzudenken
und einen Weg zu gestalten,
der tragfähig ist – auch dann,
wenn Energie, Motivation oder Klarheit schwanken.

Ziele UND Gefühl – kein Entweder-oder

Ein bewusst gestaltetes Jahr beginnt nicht nur mit der Frage:
Was möchte ich erreichen?

Sondern auch mit der Frage:
Wie soll sich mein Leben – und mein Jahr – anfühlen?

Beides gehört zusammen.

Ohne Ziel fehlt die Richtung.
Ohne Gefühl wird der Weg leer.

Viele Menschen kennen dieses Spannungsfeld:
Sie setzen sich ein konkretes Ziel –
zum Beispiel Ordnung schaffen, finanziell achtsamer werden,
oder besser mit ihrer Zeit umgehen.

Und trotzdem fühlt sich der Weg dorthin schwer an.

Nicht das Ziel ist das Problem.
Sondern die fehlende Verbindung zwischen Ziel,
innerer Haltung und Alltag.

Nicht nur verändern – auch bewahren

Bewusstes Gestalten bedeutet nicht,
alles infrage zu stellen.

Es bedeutet auch,
genau hinzusehen:

Was läuft bereits gut?
Was trägt mich?
Was möchte ich unbedingt beibehalten?

Nicht alles muss neu werden,
nur weil ein neues Jahr beginnt.

Gleichzeitig darf es Dinge geben,
die keinen Platz mehr haben sollen.

Loslassen und Bewahren
sind zwei gleichwertige Bewegungen.

Erst gemeinsam schaffen sie Leichtigkeit.

Der Unterschied liegt nicht im Ziel – sondern im Weg

Klassisches Zielsetzen arbeitet oft mechanisch:
Ziel definieren.
Disziplin mobilisieren.
Durchhalten.

Dieser Ansatz ignoriert jedoch
die Realität des Lebens.

Der hier beschriebene Zugang fragt stattdessen:

Wie gestalte ich mein Leben so,
dass dieses Ziel darin Platz hat?

Nicht:
Wie passe ich mich dem Ziel an?

Sondern:
Wie bette ich das Ziel in mein Leben ein?

Systeme statt Selbstkampf

Ein zentraler Gedanke dieses Ansatzes lautet:

Ziele werden nicht durch Willenskraft erreicht,
sondern durch Systeme, die unterstützen.

Ein System ist keine starre Routine
und kein Kontrollinstrument.

Ein System ist etwas, das:
– Entscheidungen erleichtert
– Energie schont
– Reibung dort erhöht, wo etwas weniger werden soll
– Reibung dort senkt, wo etwas unterstützt werden soll
– im Hintergrund wirkt
– auch dann trägt, wenn Motivation fehlt

Systeme ersetzen nicht Verantwortung.
Sie machen Verantwortung tragfähig.

Sie übernehmen dort,
wo sonst alles an Disziplin hängen würde.

Typische unterstützende Systeme sind:
– die bewusste Gestaltung der Umgebung
– das Entfernen unnötiger Versuchungen
– klare Grenzen für Belastendes
– Vereinfachung statt Optimierung
– realistische Erwartungen an Energie und Zeit

NUAA – Bewusstsein als Grundlage für Veränderung

Die NUAA-Methode bildet das innere Rückgrat dieses Ansatzes.
Sie sorgt dafür,
dass Veränderung nicht aus Druck,
sondern aus Klarheit entsteht.

NOTICE – Wahrnehmen

Veränderung beginnt mit Wahrnehmung.

Nicht mit Analyse.
Nicht mit Lösungen.

Sondern mit der ehrlichen Frage:
Wie geht es mir gerade wirklich?

Wo wird es schwer?
Wo spüre ich Unruhe,
Überforderung oder Widerstand?

UNDERSTAND – Verstehen

Im nächsten Schritt wird verstanden,
warum etwas so ist, wie es ist.

Welche Muster wirken?
Welche inneren Versprechen sind damit verbunden?

Oft steht hinter einem Ziel
kein oberflächlicher Wunsch,
sondern ein tiefes Bedürfnis.

ACCEPT – Annehmen

Annehmen bedeutet:
Ich erkenne meine aktuelle Realität an,
ohne mich dafür zu verurteilen.

Akzeptanz ist kein Stillstand.
Sie ist die Voraussetzung für echte Veränderung.

ACT – Handeln

Erst nach Wahrnehmen,
Verstehen und Annehmen
folgt das Handeln.

Nicht radikal.
Nicht perfekt.

Sondern unterstützt,
realistisch und menschlich.

Einladung statt Anleitung

Dieser Text ist eine Einführung.
Er möchte nicht erklären,
wie man es richtig macht.

Er lädt ein,
Ziele anders zu betrachten:

als Teil eines bewussten Lebens
und nicht als Selbstoptimierungsprojekt.

Bewusste Zielsetzung Mit Nuaa Arbeitsblatt Pdf
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Bewusst Ziele setzen

Ziele begleiten viele von uns – besonders zu Beginn eines neuen Jahres. Und doch fühlen sie sich nicht immer hilfreich an.

In der Bewusstseinswerkstatt geht es nicht darum, mehr zu wollen oder schneller voranzukommen. Sondern darum, ehrlich hinzuschauen: Was passt wirklich zu meinem Leben – jetzt?

Dieses Arbeitsbuch lädt dich ein, Ziele nicht als Verpflichtung zu sehen, sondern als bewusste Ausrichtung. Im eigenen Tempo. Mit Blick auf deine Realität, deine Energie und deine Grenzen.

Du musst nichts entscheiden, nichts festlegen, nichts erreichen. Du darfst wahrnehmen, verstehen, annehmen – und erst dann schauen, was sich stimmig anfühlt.

Ziele Setzen Leicht Gemacht Nuaa Arbeitsbuch Pdf
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Bewusst Ziele Setzten Arbeitsblatt Pdf
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 Erschöpfung & Leistungsgesellschaft

 

Dieser Text knüpft an den Beitrag im Gedankensalon zur Leistungsgesellschaft und Erschöpfung an und übersetzt die Gedanken in eine praktische Hilfestellung für den Alltag.

In der Bewusstseinswerkstatt geht es nicht darum, gesellschaftliche Zusammenhänge weiter zu analysieren. Es geht darum, den eigenen Spielraum wieder wahrzunehmen – dort, wo Erschöpfung spürbar wird.

Viele Menschen erkennen ihre Erschöpfung sehr klar. Schwieriger ist es herauszufinden, woher sie im eigenen Leben konkret kommt und welche inneren oder äußeren Ansprüche sie aufrechterhalten.

Nimm dir für die folgenden Fragen Zeit. Es geht nicht darum, sofort etwas zu verändern, sondern darum, Klarheit zu gewinnen.

  1. In welchen Bereichen meines Lebens gilt für mich unausgesprochen das Prinzip: mehr, schneller, intensiver?
    2. Wo habe ich das Gefühl, dass selbst Pausen oder Freizeit einen Anspruch erfüllen müssen?
    3. Woran merke ich körperlich oder emotional, dass es mir zu viel wird?
    4. Welche Tätigkeiten fühlen sich im Moment verpflichtend an, obwohl sie eigentlich freiwillig sind?
    5. Wo erlaube ich mir aktuell kein Innehalten – und warum?

Im nächsten Schritt geht es darum, einen kleinen inneren Zwischenraum zu schaffen. Nicht zwischen Tun und Nicht-Tun, sondern zwischen Erwartung und eigener Grenze.

Überlege:
– Was wäre in dieser Phase ein realistisches Maß an Aktivität?
– Welche Form von Rückzug oder Reduktion wäre entlastend, ohne alles infrage zu stellen?
– Was darf für eine Zeit weniger wichtig sein?

Diese Fragen sind keine To-do-Liste. Sie dienen als Orientierungshilfe, um die eigene Erschöpfung nicht als persönliches Versagen zu betrachten, sondern als Signal in einem größeren Zusammenhang.

Die Bewusstseinswerkstatt möchte damit einen Raum öffnen, in dem ein anderer Umgang mit Leistung, Aktivität und Erholung denkbar wird – im eigenen Tempo und im eigenen Rahmen.

Arbeitsheft Erschöpfung Beruflich Privat
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Das Theater des Lebens – Bewusstseinswerkstatt

 

Wir stehen alle auf einer Bühne. Nicht im großen Drama, sondern mitten im Alltag.

Schon in der Früh, wenn wir aufwachen, ziehen wir unsere erste Rolle an. Wir betreten das Theater unseres Lebens.

Vielleicht bist du dann die, die funktioniert. Die, die sich kümmert. Die, die stark ist. Die, die niemandem zur Last fallen will.

Wir gehen in die Maske und bereiten uns vor. Wir ziehen an, was wir für diesen Tag brauchen: Haltungen, Gewohnheiten, innere Regeln darüber, wie wir sein sollten.

Dann beginnt der erste Auftritt.

Im Laufe des Tages wechseln wir immer wieder die Rollen. Wir gehen kurz hinter die Bühne, ziehen etwas anderes an, und kommen wieder heraus: jetzt als Kollegin, als Partnerin, als Freundin, als jemand, der Erwartungen erfüllt.

So geht es Stunde für Stunde.

Am Abend kehren wir in die Maske zurück. Wir legen ab, was wir getragen haben: die Anstrengung, die Anpassung, die Fassade.

Und dann bleibt etwas zurück.

Eine stille Frage: Wer bin ich, wenn ich nichts mehr spiele?

Viele Menschen wissen an diesem Punkt nicht, was sie mit sich selbst anfangen sollen. Manche spüren Leere. Andere holen sofort den inneren Kritiker hervor.

Beides ist verständlich. Denn ohne Rolle stehen wir näher bei uns selbst. Und das fühlt sich nicht immer sicher an.

 

Die Maske und die innere Nacktheit

 

Wenn wir unsere Rollen ablegen, fühlen wir uns oft wie nackt. Nicht körperlich – innerlich.

Nackt heißt: keine Schutzschicht mehr. Keine klare Aufgabe. Keine Maske, hinter der wir uns verstecken können.

Auf der Bühne wissen wir, wer wir sein sollen. Hinter der Bühne wissen wir es oft nicht.

Und genau deshalb fühlt sich dieser Ort für viele Menschen bedrohlich an. Nicht, weil dort nichts wäre – sondern weil dort plötzlich zu viel ist: Gefühle, die wir lange nicht gefühlt haben. Gedanken, die wir verdrängt haben. Erinnerungen, die wir lieber nicht anschauen wollten.

Das alles taucht auf, sobald wir nicht mehr spielen.

Und dann ist der Impuls oft klar: zurück auf die Bühne. Zurück in die Rolle. Dorthin, wo alles wieder übersichtlich ist.

 

Der innere Theaterkritiker

 

Doch selbst hinter der Bühne sind wir oft nicht allein.

Dort wartet eine andere Rolle auf uns: der innere Theaterkritiker.

Diese Stimme kennt jede Szene. Jeden Fehler. Jede Unsicherheit.

Sie sagt: „Das war peinlich.“ „Das war nicht gut genug.“ „So darfst du nicht sein.“

Viele von uns reden mit sich selbst härter, als sie es je mit einem anderen Menschen tun würden.

Dieser Kritiker ist nicht einfach grausam. Er ist entstanden, weil er einmal gebraucht wurde.

Vielleicht hat ein Teil von dir gelernt: Wenn ich mich selbst streng kontrolliere, werde ich weniger verletzt. Wenn ich mich selbst klein halte, falle ich weniger auf.

Der Kritiker wollte dich schützen. Vor Ablehnung. Vor Beschämung. Vor Liebesentzug.

Das Problem ist: Er arbeitet noch immer mit den Maßstäben von früher.

Und deshalb wird er besonders laut, wenn du beginnst, dich wirklich zu sehen.

 

Kritiker oder echte Reflexion?

 

Der innere Kritiker klingt manchmal wie Nachdenken. Wie Einsicht. Wie Selbstkritik.

Aber echte Reflexion fühlt sich anders an.

Der Kritiker sagt: „Du bist falsch.“ „Du hast versagt.“

Echte Reflexion fragt: „Was ist hier gerade passiert?“

Der Kritiker sucht Schuld. Echte Reflexion sucht Verständnis.

Der Kritiker will dich formen. Echte Reflexion will dir begegnen.

Diese Unterscheidung ist ein Schlüssel. Denn erst wenn du merkst, wer da gerade spricht, kannst du wirklich bei dir bleiben.

 

Werkstatt – Wahrnehmen & Verstehen

 

Nimm dir jetzt einen Moment.

Du musst nichts lösen. Nur hinschauen.

Fragen zum Innehalten:

  • Welche Rolle spiele ich im Alltag am häufigsten?
  • Wann habe ich mich heute innerlich eng oder angespannt gefühlt?
  • In welchem Moment war ich mehr Rolle als ich selbst?
  • Welche Stimme höre ich, wenn ich an diesen Moment denke?

Lass die Fragen wirken. Du musst sie nicht beantworten.

 

Ein kleiner Schritt ins Handeln

 

Wähle heute eine ganz normale Situation. Ein Gespräch. Eine Nachricht. Einen Moment, in dem du merkst: Ich spiele gerade eine Rolle.

Und frage dich still: Welche Rolle ist das?

Mehr nicht. Nicht ändern. Nicht korrigieren. Nur bemerken.

Denn jedes Mal, wenn du das tust, stehst du einen Schritt näher bei dir selbst.

Und dort, hinter der Maske, beginnt das echte Leben.

 

Theater Des Lebens Werkstatt Arbeitsblatt Pdf
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